Was ist Technikforschung?

Entwicklung und Entfaltung eines sozialwissenschaftlichen Forschungsprogramms

Werner Rammert

1. Technik als Thema sozialwissenschaftlicher Forschung

1.1 Gründe für die gegenwärtige Bedeutung der Technikforschung

Warum beschäftigen wir uns in den Sozialwissenschaften heute wieder so intensiv mit der Technik? Zwei Gruppen von Gründen lassen sich für diesen Trend anführen. Die eine bezieht sich auf die innere Dynamik der Sozialwissenschaften: der fortschreitenden Separierung und Spezialisierung von Disziplinen und Forschungsfeldern. Die andere betont die äußeren Bedingungen für die Orientierung von Forschung: das Entstehen neuer Problemlagen und eines wachsenden gesellschaftlichen Bedarfs an Beratung.

Technik und technischer Wandel waren ursprünglich - woran ich im nächsten Abschnitt kurz erinnern werde - integrale Bestandteile des klassischen Programms der Sozialwissenschaften. Erst mit der Separierung einzelner Bereiche oder Aspekte zu sozialwissenschaftlichen Einzeldisziplinen, wie der modernen Geschichte, der nationalen oder betrieblichen Ökonomie, der Soziologie und der Politikwissenschaft, änderte sich dieser Sachverhalt. Diese Ausdifferenzierung ging mit einer starken Binnenorientierung der Einzeldisziplinen einher. Der Gegenstand Technik rückte dabei entweder an die Ränder des Fachs, wie die vergleichsweise geringe Bedeutung der Technikgeschichte im Rahmen der Geschichtswissenschaften illustriert, oder er wurde sogar zu einem exogenen, von außen einwirkenden Faktor erklärt, wie es über lange Zeiten hin in der Ökonomie und in der Soziologie praktiziert wurde.

Diese Marginalisierung des Technikthemas, die bei manchen theoretischen Ansätzen bis zur "Technikvergessenheit" reichte, führte zu schiefen und verkürzten Sichtweisen und hemmte dadurch den Erkenntnisfortschritt. In der neoklassischen Ökonomie zum Beispiel entdeckte man erst in den 60er Jahren wieder die Bedeutung des technischen Fortschritts für das wirtschaftliche Wachstum. In der Folge wurde der Faktor technischer Fortschritt wieder zu einer endogenen Größe im System der Ökonomie. Die Technik kehrte als Gegenstand ökonomischer Forschung zurück. Es etablierte sich die Spezialdisziplin der Innovationsökonomie, von der heute entscheidende Anstöße für einen Paradigmawandel innerhalb der Ökonomie (vgl. Nelson/Winter 1982) und für die nationale Wirtschafts- und Innovationspolitik (vgl. Foray/Freeman 1993) ausgehen.

Für den Fall der Soziologie lassen sich ähnliche Umwege und Entwicklungen aufzeigen: Ihre "großen Theorien" befaßten sich mit dem sozialen Handeln, seinen verschiedenen Orientierungen und den Systemen des Handelns, ohne der technischen Vermittlung des Handelns oder den Mitteln der technischen Integration von Sozialsystemen größere Aufmerksamkeit zu schenken (vgl. Böhme 1992). In der systemtheoretischen Gesellschaftstheorie von Talcott Parsons tauchte die technische Entwicklung - ähnlich wie die biologische Evolution - nur als äußere Randbedingung auf, an die sich die Gesellschaften anzupassen hätten. Die Verzahnung von technischem und organisatorischem Wandel der Arbeit aufzuzeigen, blieb der speziellen industriesoziologischen Forschung überlassen (vgl. Lutz 1990). Aber erst mit der neuen Techniksoziologie wurden die Technik, ihre Genese und ihre Gestalt, zum Gegenstand sozialwissenschaftlicher Forschung. Neuerdings drängen auch einzelne theoretische Ansätze aus der Technikforschung auf eine Revision der Soziologie (vgl. Latour 1995).

Das Entstehen und Wachsen von Spezialdisziplinen, die sich mit dem Gegenstand Technik befaßten, kann nicht allein aus der inneren Dynamik der Disziplinentwicklung erklärt werden. Sie wurden auch von außen, durch die wachsende Nachfrage der Gesellschaft nach methodisch gesichertem Wissen über Chancen und Risiken neuer Technologien begünstigt. Das Thema Technik konnte man nicht weiterhin nur Autoren der philosophischen Kultur- und Sozialkritik, wie Arnold Gehlen (1957) oder Herbert Marcuse (1967), oder einzelnen kreativen Grenzgängern zwischen den Disziplinen, wie Lewis Mumford (1977) oder Sigfried Giedion (1984), überlassen. Außerdem war der Problemdruck durch die unvorhergesehenen Folgen der Atomenergie, die Herausforderungen der Mikroelektronik und Gentechnik und die Grenzen des Wachstums so stark angewachsen, daß er nicht mehr im engen Rahmen der Disziplinen und Teildisziplinen angemessen bewältigt werden konnte. Seit den 70er Jahren entstanden daher schon vor allem in den U.S.A. interdisziplinäre Zentren der Technikforschung. Die Forschungs- und Lehrprogramme, die dort unter dem Etikett "Science, Technology, and Society" (STS) betrieben wurden, bildeten die Keimzellen für eine die Fächer übergreifende Technikforschung.

Diese sozialwissenschaftliche Technikforschung sucht die Kooperation zwischen den verschiedenen Disziplinen. Sie verbindet die klassischen Fragen nach den Folgen der Technik mit den neuen Fragen nach der Genese, Gestaltung und Steuerung der Technik. Sie läßt sich im Rahmen von Begleitforschungen auf eine kritische und konstruktive Zusammenarbeit mit Entwicklern und Ingenieuren ein. Sie nimmt mit ihren Erkenntnissen und Forschungsergebnissen teil an Diskursen zwischen Technik, Wirtschaft und Politik über Richtung und Risiken zukünftiger Techniken. Und sie befaßt sich theoretisch und praktisch mit der Vernetzung von Technikerzeugung, Technikforschung und politischer Techniksteuerung (vgl. Technik und Gesellschaft 1997).

1.2. Frühe Verankerung des Themas in klassischen Theorietraditionen

In der Gründerzeit der Sozialwissenschaften war Technik ein wichtiges Thema (vgl. ausführlicher Rammert 1993, 13-19). Karl Marx, Emile Durkheim und Max Weber standen unter dem Eindruck der industriellen Revolution und der radikalen Transformation der traditionalen zu einer modernen Gesellschaft. Karl Marx (1818-83) begreift die Geschichte der Gesellschaften als einen Prozeß, in dem sich die technischen Kräfte und Kompetenzen und die sozioökonomischen Bande und Beziehungen einer Gesellschaftsformation wechselseitig bedingen und behindern. Technik wird hier unter dem Begriff der 'Produktivkräfte' weit gefaßt: Dazu zählen nicht nur der Fortschritt der sach- und verfahrenstechnischen Entwicklung, sondern auch der Stand technologischen Wissens, das Niveau der Qualifikation der Arbeitskräfte und der Grad der Teilung und Organisation der Arbeit. Die geschichtliche Dynamik wird aus der Interdependenz von (sozio-)technischer und sozioökonomischer Entwicklung hergeleitet. Die technische Entwicklung kann in dieser Lesart als endogene gesellschaftliche Größe angesehen werden. Sie bewirkt nicht nur von außen die soziale Entwicklung, sondern ist selbst Resultat und Teil sozialer Prozesse.

Der kritische Sozialtheoretiker Karl Marx machte sich ein neues Bild von der veränderten bürgerlichen Gesellschaft. Leitdifferenz seiner Optik waren nicht mehr der politische Gegensatz von Herr und Knecht, sondern der ökonomisch sich zeigende gesellschaftliche Widerspruch von Arbeit und Kapital. Daher interessierten ihn auch die sachlichen Gestalten des Kapitals, wie Maschinen und technische Infrastruktur, deren technische Neuerung und deren 'moralischer Verschleiß'. Aus dem gleichen Grunde studierte er den Wandel der Arbeit unter dem Einfluß der Maschinentechnik und im Rahmen des soziotechnischen Systems der 'Maschinerie' ( Marx 1969, zuerst 1867).

Seine Analysen sachlich vermittelter Sozialbeziehungen und technisch-wirtschaftlichen Wandels bleiben beispielhaft für die Technikforschung (Rosenberg 1976). Seine Konzentration auf die Produktionstechnik war zeitbedingt; so fruchtbar sie für die industriesoziologische Technikforschung war, so hat sie doch langfristig die Herausbildung einer breiter orientierten Technikforschung, welche die Alltagstechniken und die technischen Verbreitungsmedien miteinbezieht, erschwert. Seine These von der ökonomischen Orientiertheit des technischen Fortschritts wird heute zunehmend - sogar innerhalb der Innovationsökonomie - fragwürdig. Sie wird gegenwärtig durch zahlreiche empirische Studien zu Genese und Steuerung der technischen Entwicklung stark relativiert (siehe weiter unten Kap. 3.1).

Der Soziologe Emile Durkheim (1858-1917) interessierte sich eigentlich nicht besonders für die Technik. Sie geriet nur in ihrer Eigenschaft als versachlichter Sozialform in sein Blickfeld. Ihm ging es in erster Linie darum, die "sozialen Tatsachen" als eigenen Gegenstand der Soziologie zu begründen. Dazu zählte er technische Artefakte, wie Wohnstätten, Werkzeuge, Verkehrswege, Verkehrsmittel oder Kleider, ebenso wie andere soziale Gebilde und Ordnungen, z.B. Sitten, Normen, Recht und Religion. Diese weniger sichtbaren moralischen Ordnungen seien genauso erfahrbar wie die sachlich vermittelten Sozialstrukturen. Durkheim zieht ausdrücklich eine Parallele zwischen den technischen Artefakten und den sozialen Normsystemen. In beiden sind die in einer Gemeinschaft praktizierten Verhaltensweisen und geteilten Einstellungen institutionalisiert. Dadurch sind sie dauerhaft fixiert und können wie physikalische Tatsachen objektiv beobachtet werden. Von beiden sozialen Tatsachen geht ein struktureller Zwang auf das Handeln des einzelnen aus, so daß sie zu seiner Erklärung herangezogen werden können (Durkheim 1970, zuerst 1885).

Diese Ideen Durkheims zur Bedeutung der technischen Artefakte sind stärker in der Stadtsoziologie und der Industriegeographie, weniger in der allgemeinen Soziologie fruchtbar geworden. Wie wir noch sehen werden, hat sich die Techniksoziologie erst in jüngerer Zeit wieder den Sachen als sozialen Tatsachen unter Berufung auf Durkeims 'Regeln der soziologischen Methode' zugewandt (siehe Linde und Joerges in Abschnitt 2.1). Die alte Regel, sachliche Artefakte als soziale Tatsachen zu untersuchen, ist allerdings durch die neue Regel zu ergänzen, soziale Tatsachen in ihrer Genese und Gemachtheit durch Akteure zu studieren (Rammert 1995).

Der Sozialwissenschaftler Max Weber (1864-1920) verschiebt den Akzent von der Gesellschaftsstruktur zur Semantik der Technik. Moderne Technik interessiert ihn als Ausdruck eines neuen Rationalitätstypus. Die technische Rationalität ist der 'Geist' der modernen Technik. Es liegt immer dann eine 'technische Frage' vor, wenn es im Gegensatz zu Sinn und Zweck des Handelns um die Verwendung der rationalsten Mittel geht (Weber 1972, zuerst 1921). Dieser weit gefaßte Technikbegriff schließt auch die Gebetstechnik, die erotische Technik und andere Handlungstechniken ein, insofern ein Handeln zum bewußten Mittel in einem Handlungszusammenhang gemacht wird. Kriterium ist die Verbesserung des Erfolgs im Vergleich zum Aufwand. Die höchste Form technischer Rationalität liegt dann vor, wenn das Handeln planvoll am methodisch gesammelten Wissen oder gar am wissenschaftlichen Denken orientiert ist. Der ökonomische, politische oder künstlerische Verwendungszweck ist dabei im Prinzip gleichgültig. In der sozialen Wirklichkeit kann jedoch von den vorliegenden Orientierungskomplexen, wie den ökonomischen Kalkülen oder den künstlerischen Schönheitsidealen, nicht abstrahiert werden. Sie geben nämlich der technischen Entwicklung jeweils den Bezugsrahmen für die Verbesserung vor.

Die Freisetzung der technischen Rationalität aus ihren traditionalen Bindungen und moralischen Fesseln löst eine bis dahin ungekannte fieberhafte Jagd nach technischen Neuerungen aus. Industrie, Wissenschaft, Kriegsführung und Künste verändern radikal ihren Charakter unter dem Einfluß der technischen Rationalisierung. Wovor schon Max Weber mit seinem Bild des 'stählernen Gehäuses' warnte, nämlich vor der Gefahr, daß sich die Mittel gegenüber den Zwecken verselbständigen, das wird in der rechten wie linken Kritik an der modernen Industriegesellschaft immer wieder aufgegriffen. Bei Jacques Ellul, Hans Freyer und Helmut Schelsky wird das Dominantwerden der technischen Kategorie in der wissenschaftlich-technischen Welt diagnostiziert und die Gefahr der 'Technokratie' heraufbeschworen. Bei Max Horkheimer, Herbert Marcuse und Jürgen Habermas wird die Herrschaft der 'instrumentellen Vernunft', ihre 'Eindimensionalität' und die 'Kolonialisierung der Lebenswelt' durch die Systeme zweckrationalen Handelns beklagt. Die Theoretiker aus beiden Lagern beschränkten sich auf eine Ideologiekritik der Technik und ihrer Rationalität. Die sachlichen Erscheinungsformen der Technik standen nicht zur Debatte. Die Genese konkreter Techniken, die Möglichkeiten für alternative Entwürfe und die Mitwirkung von Akteuren unter wechselnden Machtkonstellationen blieben unbeachtet.

2. Die Herausbildung von Perspektive und Programm der Technikforschung

Zur heutigen Technikforschung führen viele Fäden. Ich möchte nur vier davon herausgreifen und genauer verfolgen. Sie beginnen mit der Kritik an den "großen" Theorien und enden mit einem Problemkatalog für die sozialwissenschaftliche Technikforschung.

2.1 Die Sachvergessenheit der Soziologie

In den 50er und 60er Jahren setzte sich die struktur-funktionalistische Theorierichtung in der Soziologie durch. Sie betonte die Analyse wechselseitiger Orientierungen des Handelns und tendierte dazu, soziale Strukturen zu Systemen sozialer Beziehung zu verdünnen. Mit ihr verschwanden weitgehend die Vorstellungen von den sachlich vermittelten gesellschaftlichen Verhältnissen und von den technischen Artefakten als Teil der sozialen Strukturen.

Später wurde diese Tendenz, die Sachdimension zu vernachlässigen, aus unterschiedlichen Richtungen kritisiert. Die deutsche Industriesoziologie hatte sich in der Nachkriegszeit am wenigsten von der ansonsten im Fach damals dominierenden amerikanischen Soziologie beeinflussen lassen. Sie orientierte sich weiterhin stark an der marxistischen Theorietradition. Außerdem legte es ihr Gegenstand, die industrielle Arbeit - einschließlich ihrer betrieblichen Organisation und ihres gesellschaftlichen Wandels - nahe, sich mit der "technischen Bedingtheit" der Arbeit, wie es Hans Popitz u.a. (1957) formulierten, auseinanderzusetzen. An Marx und der Phänomenologie geschult, wurden 'teamartige' und 'gefügeartige' Kooperation als zwei technisch vermittelte Sozialbeziehungen unterschieden. Auch der Umgang mit Maschinen war nicht einfach nur ein 'instrumentelles Handeln' (Habermas 1968; zur Kritik Ganßmann 1996), sondern es wurde je nach Leistungsanspruch und Verhaltensweise nach Arbeiten "an" oder Arbeiten "mit" der Maschine fein unterschieden. Gegen einen in der soziologischen Theorie sich durchsetzenden Begriff, der Arbeit auf instrumentelles Handeln reduzierte, hielt die Industriesoziologie an einem Arbeitsbegriff fest, der für unterschiedliche sachliche Vermittlungen offen war und kooperative und kommunikative Aspekte nicht trennte.

Am schärfsten wurde die Sachvergessenheit der Soziologie von Vertretern der Stadtsoziologie und der Technikphilosophie kritisiert. Hans Linde (1972) erinnerte in seiner Studie zur "Sachdominanz in Sozialstrukturen" an die von Marx und Durkheim begonnene Tradition, Sachen als konstitutive Elemente der Vergesellschaftung aufzufassen. Er polemisierte heftig gegen eine Soziologie ohne Sachbezug, wie sie vor allem in der Stadtsoziologie zu absurd verdünnten Ergebnissen führte, z. B. daß die Entwicklung von Gemeinden und Städten nur aus den Interaktionsbeziehungen, nicht aus den Eigentumsverhältnissen von Grund und Boden und den bestehenden gebauten Strukturen erklärt würden. Bernward Joerges, der mit einer Arbeit über "Gebaute Umwelt und Verhalten" promoviert hatte, griff diese Kritik an den Sozialwissenschaften auf und entwickelte das Programm einer "Soziologie der Sachverhältnisse" (1979). Ihr Gegenstand sollten die verschiedenen Weisen sein, wie Sachen in soziale Handlungszusammenhänge und andere Kontexte eingebettet sind. Gefragt werden sollte, welche Akteure mit der Konstruktion oder Verwendung verbunden sind, welchen Handlungsauftrag die sachlichen Artefakte im Rahmen eines Programms erhalten, wie sie in die natürliche und wie sie in die übrige technische Umwelt integriert sind und wie dauerhaft sie ihre Funktion erfüllen (Joerges 1989, 62).

Der zur Karlsruher Schule zu zählende Technikphilosoph Günter Ropohl knüpfte in seiner "Grundlegung der Allgemeinen Technologie" unter dem Titel "Eine Systemtheorie der Technik" ebenfalls an Lindes Überlegungen zu Sachen, speziell der Kategorie Gerät und Maschinen, an. Er verfolgt dabei die Absicht, die naturalen, humanen und sozialen Dimensionen der Technik in einem kybernetisch-systemtheoretischen Modellkonzept zu integrieren (Ropohl 1979, 46). Auf dieser Grundlage plädiert er für eine interdisziplinäre Technikforschung in aufklärerischer Absicht (Ropohl 1991).

Eine ähnlich grundlegende, aber historisch-kritische Technikphilosophie hat der in Wien lehrende Hans-Dieter Bahr (1983) mit seinem Buch "Über den Umgang mit Maschinen" vorgeführt. Er nähert sich den Maschinen mit dem archäologischen Blick eines Michel Foucault. Er arbeitet die Ordnungen der Diskurse und die Strategeme des Maschinenumgangs heraus, wie sie sich Ingenieurabhandlungen, historischen Techniktheorien, künstlerischen Darstellungen und praktischen Verwendungsweisen entnehmen lassen. Vor allen Dingen wendet er sich gegen die Annahme eines gesellschaftlichen Subjekts oder einer Logik, die der Technikentwicklung ihre Richtung wiesen. Damit leitet er über zu einem zweiten Kritikkomplex, aus dem heraus sich die besondere Perspektive der Technikforschung entwickelt hat.

2.2 Fehlende Geschichtlichkeit und mangelnder Akteurbezug der gesellschaftstheoretischen Technikkritik

In den 60er und 70er Jahren herrschten im deutschen Sprachraum die 'Kritische Theorie' und ein politökonomisch verengter Marxismus in der gesellschaftstheoretischen Diskussion vor. Wissenschaft und Technik wurden pauschal ohne Ansehen der jeweiligen empirischen Besonderheit in ihren Funktionen untersucht: Als 'Produktivkraft' brächten sie 'wissenschaftlich-technische Revolutionen' und gesellschaftliche Umwälzungen in Gang; als 'kapitalistische Technik' gäben sie der Kolonialisierung und Kontrolle der Arbeitskräfte durch das Kapital Vorschub; und als 'Ideologie' neutralen technischen Fortschritts böten sie den spätkapitalistischen Herrschaftsverhältnissen die notwendige Rechtfertigung. Herbert Marcuse (1967) ging soweit, im 'Projekt' der Technik inkorporiert die Struktur der Herrschaft zu erkennen.

Aber ist der Gang der technischen Entwicklung wirklich so eindeutig determiniert, wie in den großen Theorieentwürfen unterstellt wurde? Wer so zu fragen beginnt, zweifelt sowohl am technologischen Determinismus als auch an der Möglichkeit, die wirklichen Verläufe technischer Entwicklungen aus einer anderen Strukturlogik - sei es die Logik der Kapitalverwertung, sei es die Logik von militärischer Machtsteigerung oder herrschaftlicher Menschenkontrolle - einfach herleiten zu können. Mit dem Interesse, die "soziale Dynamik der technischen Entwicklung" (Rammert 1983) historisch und empirisch zu untersuchen, entsteht eine eigenständige techniksoziologische Perspektive. Sie unterstellt eine geschichtliche Offenheit für verschiedene Entwicklungspfade der Technik. Sie erkundet die jeweiligen ökonomischen Konstellationen ebenso wie die Verteilung der Macht in den politischen Konfliktarenen. Sie forscht nach den sozialen Konfigurationen konkurrierender und koalierender Akteursgruppen ebenso wie nach den kulturellen Konzepten, die den Gang und die Gestalt technischer Entwicklungen orientieren und prägen. Im Schnittfeld von Wissenschaftsforschung und Industriesoziologie tauchten zuerst die Fragen nach dem sozialen Ort der Erzeugung von Technik, nach den dort vorherrschenden Orientierungen und nach der kognitiven und institutionellen Ausdifferenzierung technischen Handelns auf (Halfmann 1984; Hack/Hack 1985; Krohn/Rammert 1985).

Ist die Gestalt der Technik so homogen geschnitten und blockartig, wie häufig angenommen wurde? Wer die technikkritischen Fragen der Dritte-Welt-Bewegung, der Antiatomkraft- und der Ökologiebewegung (vgl. dazu Müller/Nievergelt 1996) nicht mehr mit dem Hinweis auf das 'kapitalistische Projekt', die 'instrumentelle Vernunft' oder die Logik des 'Industrialismus' einfach erledigte, sondern als Forschungsfrage stellte, der stieß schnell auf die Vielfältigkeit und Formbarkeit der werdenden Techniken. Was als Struktur einer Technik gegeben erschien, wird jetzt als Ergebnis von 'Strategien der Technisierung' sichtbar. Was als großes Gattungs- oder Gesellschaftsprojekt des technischen Fortschritts firmierte, kann jetzt in einzelne 'Technisierungsprojekte' verschiedener sozialer Akteure aufgelöst werden. Wie die sozialen Akteure ihre Projekte jeweils nebeneinander, miteinander und gegeneinander betreiben, das wird zu einem eigenständigen Thema der Techniksoziologie.

Der mangelnde Akteurbezug der gesellschaftstheoretischen Technikkritik wurde durch unterschiedliche Ansätze ausgeglichen. Aus der Politikwissenschaft kamen z. B. die Konzepte der Konfliktarenen und der gesellschaftlichen Diskurse, mit denen die Einflüsse der unterschiedlichen Akteure auf die kerntechnische Entwicklung genauer aufgeschlüsselt wurden (Kitschelt 1980; 1984). Aus der Organisations- und aus der Wissenschaftsforschung wurde die Idee übernommen, 'Netzwerke' von Akteuren oder von Akteuren und Artefakten zu untersuchen (vgl. zum 'Akteur-Netzwerk' den Beitrag von Heintz i.d.B.). Darunter versteht man im engeren Sinn die Vernetzung von verschiedenen Akteuren aus Technik, Industrie und Öffentlichkeit, die sich um eine einzelne Technik herum bilden, sie stützen und steuern und Gegenprojekte stürzen wollen, wie die Gruppe der Hochradmechaniker, der Rennfahrer und des sportbegeisterten Publikums gegenüber der Gruppe der Gebrauchsfahrradhersteller für Damen und Herren, Sicherheitsingenieure und Frauenvereine (Pinch/Bijker 1987). Im weiteren Sinn werden noch die sachlichen Artefakte, wie Stromgeneratoren und Überlandleitungen, und symbolische Artefakte, wie gesetzliche Regelungen, neben den anderen Akteuren zum Netzwerk dazugerechnet. Diese heterogenen Gebilde werden, wenn sie wie das elektrische Versorgungsnetz oder das Eisenbahnnetz Stabilität gewonnen haben, als 'großtechnische Systeme' oder 'technische Infrastruktursysteme' bezeichnet (vgl. Hughes 1987; Mayntz 1988; siehe ausführlicher unten Kap. 3.1).

Kann man davon ausgehen, daß Technik gleich Technik ist und was für die eine Technik gilt, auch für die andere Technik gelten muß? Vergleicht man verschiedene Typen oder Generationen ein und derselben Technik, z. B. eine mechanische Uhr mit einer digitalen Quarzuhr, fallen einem wichtige Unterschiede auf: Fertigung und Arbeitsteilung differieren deutlich, und die alltägliche Zeitwahrnehmung schaltet von viertel- und halbstündigen Schätzungen auf unnötig präzise Minuten- oder gar Sekundenangaben um. Vergleicht man ein und dieselbe Technik im wissenschaftlichen, im ökonomischen und im häuslichen Kontext, zerfällt sie in verschieden definierte, gestaltete und genutzte Techniken: das Versuchsauto im Labor und das Nutzfahrzeug im Handelsunternehmen, der von amerikanischen Farmern hinten abgesägte PKW ("pick up car") und der Prestige-Jeep auf dem asphaltierten Garagenweg. Vergleicht man verschiedene Technologien, wie Kernenergie, Mikroelektronik und Genmanipulation, so wird man auf Unterschiede der Entstehung, der Durchsetzung und ihrer Wirkung in der Gesellschaft stoßen (Bechmann/Hohlfeld/Joerges 1985). Und vergleicht man die Auffassungen von Technik und Maschine, wie sie sich in der Geschichte wandeln, so drängt sich der Eindruck einer großen Verschiedenheit auf (Krohn 1989).

Die Kontingenz der Technik, daß sie in der vorliegenden Form nicht notwendig ist, sondern immer auch anders gestaltet sein könnte, und die Ambivalenz der Technik, daß ihre Funktion nie eindeutig, sondern immer unterschiedlich gedeutet werden kann, werden deutlich sichtbar. Wenn Technik immer anders sein könnte und ihre Funktion auch anders gesehen werden könnte, dann stellt sich die Frage nach den Gründen für die vorliegende Gestalt und Funktion ein. Mit dieser Frage nach den produktiven und prägenden Bedingungen der Technik ist das Tor für die sozialwissenschaftliche Technikforschung weit aufgestoßen. Sie untersucht, wie die jeweiligen ökonomischen, politischen und kulturellen Kontexte für die physische Beschaffenheit und die funktionale Konstruktion einer Technik, für die Umgangsweise mit ihr und für ihre Deutung konstitutiv sind.

Die Wende von der Gattungsgeschichte zur Gesellschaftsgeschichte der Technik, die Auflösung der ´Logik des Kapitals´ in konkurrierende Strategien und Konstellationen von Akteuren, die Umorientierung von der bloßen theoretischen Behauptung und begrifflichen Ableitung zur empirisch begründeten These und ihrer Überprüfung, diese Tendenzen erschlossen der Technikforschung die Felder, auf denen sie sich jetzt zu etablieren beginnt.

2.3 Die Vorherrschaft des Produktionsparadigmas und die Verengung des Technikbegriffs

Wie schon oben erwähnt, finden wir in der Industriesoziologie die längste Tradition soziologischer Forschung über die Technik. Allerdings verengte sich unter ihrer Perspektive der Blick auf den Gegenstand. Technik interessierte hauptsächlich als Mittel der Arbeit und ihrer Rationalisierung. Die ökonomische Funktion der Produktivitätssteigerung und die politische Funktion der Disziplinierung der Arbeitskraft wurden herausgestrichen. Im Begriff der mechanischen Maschine verdichtete sich das Technikverständnis. Die Mechanisierung und ihre Folgen wurden unter der Vorherrschaft des Produktionsparadigmas fast ausschließlich in der Industrie, und hier vorwiegend im Produktionsbereich, untersucht (vgl. zum neuesten Stand Bieber 1997).

Mit der Verschiebung der Aufmerksamkeit von der Produktion auf den Konsum, mit der Ausweitung des Blicks auf Maschinen und Mechanisierung im Alltagsleben und unter dem Eindruck der Informationstechnik und der elektronischen Kommunikationsmedien haben das Produktionsparadigma und der klassische Maschinenbegriff ihre Monopolstellung aufgeben müssen. Damit entstand der Raum für eine umfassendere und differenziertere Perspektive für die Technikforschung.

Mit dem Thema "Technik im Alltagsleben" (Joerges 1988) wurde das Spektrum der Techniken und der sozialen Situationen schlagartig ausgeweitet. Zwar herrschte auch hier anfangs die Suche nach Analogien zwischen industrieller Arbeit und Konsumarbeit, zwischen betrieblicher und häuslicher Rationalisierung vor. Doch zeichneten sich mit der Zeit die Unterschiede zwischen organisierter Produktion und offeneren Situationen des Familien- und Freizeitlebens ab. Das Feld der Haushaltsmaschinen wurde um die Techniken des Hauses (Wohnen, Baden, Heizen), um die Techniken des Körpers (Medizin, Geburtenregelung, Sport), um die Techniken der Kommunikation (Printmedien, Telefon, PC) und um die Techniken der Unterhaltung (Radio, Fernsehen, Ton- und Bildaufzeichnungsgeräte) ausgedehnt. Die Verwendungssituationen im privaten Alltag sind weniger normiert als in formalen Arbeitsorganisationen, wie Fabrik oder Krankenhaus. Es kommen Unterschiede der Klasse, des Geschlechts, der Generation und des soziokulturellen Milieus zur Geltung (vgl. Meyer/Schulze 1993). Gegenüber einer eindimensionalen Rationalisierung entsteht der Eindruck einer vielfältigen 'Kultivierung' von Techniken im Alltag.

Mit dem Aufkommen der Computertechnik setzt ein Nachdenken über den klassischen Maschinenbegriff ein. Sehen die einen in ihm durch die Brille des Produktionsparadigmas nur eine Maschine zur Mechanisierung und Rationalisierung geistiger Arbeit, fragen andere nach seiner neuartigen Qualität (vgl. Heintz 1995). Gegenüber der physischen Operation der Umwandlung, in diesem Fall von Stromspannungen, gewinnen die Darstellung und Verbreitung von Zeichen zwischen Programm und Gerät und damit vernetzten Geräten an strategischer Bedeutung. Der Computer ist Maschine und Medium der Kommunikation zugleich (Esposito 1993).

Daraus erwachsen besondere Anforderungen an den Umgang mit computergestützten Systemen. Arbeit verändert ihren Charakter: Das Wahrnehmen und das Erkennen von Zeichen, das Eingeben und das Interpretieren von Daten schieben sich in den Vordergrund. Zusätzlich erhöht dieser Prozeß der Informationsverarbeitung die Anforderungen an die zwischenmenschliche Kommunikation: Über die Codes der virtuellen Welten, über die Bedeutung der Zeichen muß in einer derart medial vermittelten Wirklichkeit ständig Einverständnis hergestellt werden, will man nicht Fehlentwicklungen und Zusammenbrüche des Systems riskieren. Man muß z.B. aus der eigenen Erfahrung und Kenntnis des Computerprogramms lernen, wann Angaben auf dem Bildschirm zu mißtrauen sind. "Herzfrequenz = 0, Patient A: Exitus" kann auch heißen, daß beim Patienten nur den Sensor verrutscht ist. Außerdem entstehen mit der Informationstechnik zunehmend vernetzte Formen der Produktion, welche die traditionellen Schranken des Betriebs und des Unternehmens überschreiten. Der radikale Wandel von Arbeit, Unternehmen und Wirtschaft, der durch die gegenwärtigen Hochtechnologien ausgelöst wird, begünstigt den Trend, daß sich die moderne Technikforschung von der traditionellen Industriesoziologie zunehmend emanzipiert (vgl. Malsch/Mill 1992).

2.4 Die Dilemmata der Technikfolgenabschätzung

Schon in 30er Jahren begann William F. Ogburn (1936) damit, die Entwicklungstrends der Technik und ihre Folgen für die Gesellschaft abzuschätzen. Sein Analyseraster umfaßte alle Bereiche gesellschaftlichen Lebens und teilte die Technikfolgen in unmittelbare und abgeleitete. Auf diese Weise gelangte er am Beispiel der Luftfahrttechnik zu 136 Folgen. Dem Vorbild der amerikanischen Regierung, die sich seitdem regelmäßig 'Trend Reports' und 'Technology Assessments' vorlegen ließ, folgten andere Regierungen, später auch andere Institutionen, wie Parlamente, internationale Organisationen, Landesregierungen und Großunternehmen. Nicht nur die Folgen der Automation für Arbeiter und Angestellte und die Auswirkungen der Mikroelektronik auf Betrieb und Büro, auf Qualifikation und Beschäftigung, wurden untersucht; Gegenstand ist gegenwärtig eine weitgefächerte Bandbreite von Techniken, von den Energietechniken über die Genmanipulation bis hin zur 'Künstlichen Intelligenz' (vgl. Bechmann/Petermann 1994). Dadurch werden beachtliche Ressourcen für die Technikforschung freigesetzt; es wächst ein wichtiges Reservoir an Wissen über technische Entwicklungspfade, über alternative Gestaltungsoptionen und über Möglichkeiten der Techniksteuerung heran.

Die Technikfolgenabschätzung hat sich als eine anerkannte politische Aufgabe durchgesetzt. Für ihre Verfahren hat sich ein bewährter Kanon von Prinzipien etabliert. Zu den drei wichtigsten Anforderungen zählen die "Rechtzeitigkeit", die "Umfassendheit" und die "Steuerungswirksamkeit" der Technikfolgenabschätzung (vgl. Paschen/Petermann 1991, 26-28). Allerdings ergeben sich aus der Perspektive der sozialwissenschaftlichen Technikforschung einige grundlegende Probleme, diesen "Idealen" nachzukommen. Sie lassen sich in zeitlicher, sachlicher und sozialer Hinsicht als drei Dilemmata der Technikfolgenabschätzung darstellen.

Mit dem Ideal der "Rechtzeitigkeit" soll dem programmatischen Kern der Technikfolgenabschätzung auf "Früherkennung" und "Frühwarnung" entsprochen werden, um negative Folgen von vornherein zu vermeiden oder einzuschränken. Aber wann ist die rechte Zeit für das Erkennen und Handeln? Wir sehen hier ein zeitliches Dilemma der Technikfolgenabschätzung: Je früher man die Studie ansetzt, desto unsicherer sind die technische Gestalt und der weitere Gang der technologischen Entwicklung und desto weniger kann man auf zukünftige Konsequenzen schließen. Eingreifendes Handeln wäre in der Sache riskant und in der gesellschaftlichen Konfliktarena höchst umstritten. Je später man allerdings die Studie beginnen läßt, desto deutlicher hätten sich zwar die Konturen der weiteren technischen Entwicklung abgezeichnet, die möglichen Konsequenzen gezeigt und die Kontroversen darüber zugespitzt. Aber ein Aussteigen aus der Entwicklung oder ein Umsteuern ihrer Richtung wären, falls überhaupt noch politisch machbar, äußerst schwierig und kostspielig.

Mit dem Gebot der "Umfassendheit" soll das ganze Spektrum von Auswirkungen erfaßt werden. Es erfordert die Beteiligung möglichst vieler wissenschaftlicher Disziplinen und deren Verfahren. Wechselwirkungen der Folgen untereinander und Bezüge zu alternativen technischen Varianten sollen berücksichtigt werden. Aber was ist eigentlich der Kern einer neuen Technik? Und wie lassen sich die vielen Perspektiven auf die Folgezurechnungen vereinheitlichen? Wir sehen in dieser Hinsicht ein sachliches Dilemma der Identifikation eines gemeinsamen Gegenstandes und der Integration der disziplinären Perspektiven. Es gibt keine einheitliche Bestimmung einer neuen Technik, weder unter den beteiligten Natur- und Ingenieurwissenschaftlern noch zwischen diesen und den folgeabschätzenden Sozialwissenschaftlern. Was für die Bestimmung der Technik selbst gilt, gilt umso mehr für die Zurechnung von Folgen. Je vielfältiger die möglichen technischen Varianten und je offener die potentiellen Einsatzfelder einer neuen Technik sind, desto unsicherer werden die Folgenabschätzungen. Je "härter" die Methoden der Technikfolgenabschätzung, wie technologische Trendprognosen oder ökonomisch-quantitative Verfahren zur Analyse der Beschäftigungseffekte, in solchen sachlich noch nicht gefestigten Technostrukturen sind, desto größer sind die Risiken der Fehleinschätzung.

Die "Steuerungswirksamkeit" der Technikfolgenabschätzung soll sicherstellen, daß sich die Ergebnisse auf die weitere Entwicklung einer Technik wirklich korrigierend auswirken. Aber wie kann eine wirksame Steuerung zustandekommen, da Wissenschaft, Politik und technisch-industrielle Entwicklung institutionell differenziert sind und jeweils ihren eigenen Rationalitätsstandards folgen? Wir sehen hier ein soziales Dilemma der Technikfolgenabschätzung. Je angemessener den Anforderungen der Rationalität im Feld der Wissenschaft entsprochen wird, desto facettenreicher und vielschichtiger geraten die Ergebnisse. Sie behandeln wechselnde Verwendungssituationen. Sie berücksichtigen unterschiedliche Folgedefinitionen. Sie müssen verschiedene Zurechnungen von Folgen vornehmen. Im Feld der Politik sind hingegen höchst klare und eindeutige Ergebnisse gefragt. Je eindeutiger die Ergebnisse sind, desto leichter läßt sich politischer Konsens für regulative Maßnahmen beschaffen und desto besser lassen sie sich in Handlungsanweisungen für die Verwaltung übersetzen. Aber auch die Resultate politischer Aushandlung und administrativer Umsetzung sind wiederum für die Forscher und Manager im Feld technisch-industrieller Entwicklung interpretationsoffen und somit flexibel anwendbar. Sie können stillschweigend ignoriert oder auf verschiedene Weisen umgangen werden, indem zum Beispiel nur die Etiketten für die Projekte ausgetauscht werden.

Fassen wir noch einmal die Fallstricke für die Technikfolgenabschätzung zusammen: Kommt sie zeitlich zu früh, droht sie sachlich falsch zu werden; kommt sie zu spät, kann kaum noch umgesteuert zu werden. Soll sie sachlich umfassend erfolgen, stehen viele Ergebnisse beziehungslos nebeneinander; reduziert sie die Komplexität zu sehr, drohen "blinde Flecken" der Beobachtung. Erfolgt sie sozial in differenzierten Institutionen, verlangsamen und verzerren die Übersetzungen zwischen deren Rationalitäten die Steuerungswirkung; wird sie zu stark in eine einzige Institution integriert, verliert sie Legitimation und Steuerungswirkung zugleich.

Angesichts dieser dilemmatischen Situation haben sich immer wieder neue Formen und Verfahren der Technikfolgenabschätzung herausgebildet. Jede neue Form kompensiert die Schwächen der früheren, handelt sich jedoch notwendig neue Defizite ein. Gegenüber den traditionellen Verfahren der Technikprognosen, der komplementären Partialanalysen und der institutionalisierten Technologieberatung haben sich in den letzten Jahren neue Verfahren durchgesetzt. Szenario-Techniken entwerfen aufgrund der bisher bekannten Zusammenhänge verschiedene Zukunftsbilder, zum Beispiel über die denkbaren Auswirkungen von Expertensystemen auf die Facharbeit unter jeweils unterschiedlichen Rationalisierungsstrategien (Lutz/Moldaschl 1989). Diskursive Verfahren bringen Wissenschaftler, Unternehmen und Vertreter der kritischen Öffentlichkeit an einen Tisch, um alle Standpunkte, Tatsachenaussagen und Wertgesichtspunkte einem rationalen Diskussionsverfahren zu unterziehen, wie es in Deutschland bei der Beurteilung der Risiken genmanipulierter Pflanzenzüchtung geschehen ist (van den Daele 1994). Integrierte Technikfolgenabschätzung setzt schon bei den Entwicklungsprozessen ein, stellt die versteckten orientierenden Modelle der Ingenieure heraus, macht auf ihre unterschiedlichen Implikationen für betriebliche Einsetzbarkeit und Nutzeranforderungen aufmerksam und vollzieht sich ohne lange, institutionell vermittelte Umwege im direkten Austausch zwischen Technikentwicklern und Technikforschern (Rammert 1994).

Diese neueren Verfahren der Technikfolgenabschätzung betonen die Offenheit und den Prozeßcharakter technischer Entwicklungen. Sie verhalten sich kritisch gegenüber den einzeldisziplinären Perspektiven und ihrer einfachen Zusammenfassung zur Multidisziplinarität. Sie machen die wechselseitigen Verständigungs- und Übersetzungsprobleme zwischen den Disziplinen und zwischen Wissenschaft und Praxis ausdrücklich zum Thema. Sie lassen sich auf die konstruktive Kooperation zwischen Technikentwicklern und Technikfolgenabschätzern ein. Sie haben aus der Kritik an den traditionellen Verfahren gelernt und nutzen die Ergebnisse der neueren Technikforschung.

Die kritische Diskussion entzündet sich vornehmlich an den problematischen Grundannahmen der Technikfolgenabschätzung. Nur wenn man voraussetzt, daß sich Techniken linear und aus einer inneren Logik heraus entwickeln, lassen sich technische Fortschritte voraussagen. Um dann noch die erwarteten Technikfolgen abschätzen zu können, muß unterstellt werden, daß die Folgen in einem fest fixierten, möglichst kausalen Verhältnis zur Technik stehen. Die klassische Technikfolgenabschätzung folgt also offen oder heimlich einem ´technologischen Determinismus´(Lutz 1990).

Diesen zu erschüttern und mit differenzierteren Konzepten zu überwinden, ohne dabei die mitprägende Rolle der Technik aus den Augen zu verlieren, kann als eine wichtige Triebkraft für die Herausbildung der neueren Technikforschung angesehen werden. Technikfolgenabschätzung und sozialwissenschaftliche Technikforschung stehen dabei in einer fruchtbaren Spannung zueinander. Solange wie politisches Geschäft und wissenschaftlicher Forschungsbetrieb deutlich unterschieden werden, profitiert die Technikfolgenabschätzung von der kritischen Reflexion und Methodeninnovation der Technikforschung. Umgekehrt ist die Technikforschung Nutznießer der sich breit etablierenden Technikfolgenabschätzung, indem sie dort Nachfrager nach ihren Produkten, nämlich den Forschungsergebnissen und dem qualifizierten Personal, findet. Würden Technikforschung und Technikfolgenabschätzung zu sehr vermischt, verschwänden die aus der Differenz gewonnenen Vorteile des Lernens und der Legitimation.

Eine eigene Perspektive und Programmatik für die Technikforschung - so kann man resümieren - hat sich wesentlich auf zweierlei Weise herausgebildet. Der eine Weg führte von der Auseinandersetzung mit allgemeineren Theorien und der sozialtheoretischen Technikkritik zur Diskussion um einen sozialwissenschaftlichen Technikbegriff und zur Übersetzung der Thesen in fachübergreifende historische und empirische Untersuchungsfragen. Der andere Weg ließe sich dadurch kennzeichnen, daß die zu alten und engen Bahnen z.B. einer industriesoziologischen Technikforschung und das zu weite Feld interdisziplinärer Technikfolgenabschätzung verlassen wurden, um sich vorrangig am Problem des technischen Wandels in der Gesellschaft auszurichten. Neben den traditionellen Forschungsfeldern 'Technik und Arbeit' und 'Technikfolgenabschätzung' bildeten sich die neuen Themenbereiche 'Technik und Alltag', 'Technikgenese', 'riskante großtechnische Systeme' und 'Techniksteuerung' heraus. Die letzten drei entstanden wesentlich in kritischer Auseinandersetzung mit der Technikfolgenabschätzung.

3. Themen und Felder der neueren Technikforschung

3.1 Das Programm der Technikgeneseforschung

In der 'Technikgeneseforschung' verschiebt sich die Aufmerksamkeit von den Folgen der Technik auf die Entstehung und Entwicklung neuer Techniken. Wie schon der Pionier der Technikforschung S. Colum Gilfillan gegenüber seinem Kollegen William F. Ogburn in seiner "Soziologie der Erfindung" 1935 herausgestellt hatte, verläuft die technische Entwicklung weder geradlinig, noch ist sie ein außersozialer Prozeß. Vielmehr hat sie einen komplexen und evolutionären Charakter und ist selbst als ein besonderer sozialer Prozeß aufzufassen.

Geforscht wird nach den Visionen und kulturellen Modellen, welche die Konzipierung und Konstruktion einer neuen Technik orientieren. Denn in den frühen Phasen technischer Entwicklung bestehen in der Regel vielfältige und zum Teil rivalisierende Vorstellungen von der Nutzung einer technischen Option. Wie sich am bereits oben erwähnten Beispiel von der Entwicklung des "Holland"-Fahrrads zeigen läßt (Pinch/Bijker 1987), gab es anfangs verschiedene konkurrierende Konstruktionskonzepte für ein solches Gefährt: das Hochrad, das Sicherheitsrad und das Rennrad. Sie waren mit jeweils unterschiedlichen Nutzungsvisionen, nämlich das Fahrrad als spezielles Hobby, als Rennsportmittel oder als alltägliches Fortbewegungsmittel für jedermann zu verwenden, verbunden. Das Telephon wurde zum Beispiel in der Anfangsphase in Abhängigkeit von den Nutzungsvisionen ganz unterschiedlich gestaltet: Folgte man weiterhin dem gewohnten einseitigen 'Transportmodell' der Nachrichtenübermittlung in der Telegraphie, setzte man es zur Benachrichtigung in Hotels, Postämtern, Betrieben und militärischen Befehlsständen ein; dementsprechend wurden Senden und Empfangen auch technisch getrennt. Hatte man ein 'Verteilermodell' der Massenkommunikation vor Augen, entwarf man einen zentralen Sender, von dem viele Anschlüsse Opernaufführungen, Nachrichten oder Börsenberichte empfangen konnten. Aus dieser Idee ging später der drahtlose Rundfunk hervor. Und erst als man sich an der wechselseitigen Rede eines 'Gesprächsmodells' orientierte, ging die weitere Telefonentwicklung den Gang, den wir heute nur noch kennen (vgl. Rammert 1993, Kap. 12).

Untersucht werden die Projekte und organisatorischen Kontexte, in denen die sozialen Akteure Gestalt und Gang der technischen Entwicklung zu beeinflussen suchen. In Technikprojekten nehmen die Ideen unter dem Eindruck materialer Erfahrung und sozialer Orientierung konkrete Konturen an. Zum Beispiel verwandelte sich Rudolf Diesels Idee, durch seinen Wärmemotor Dampfmaschinen aller Art, große und kleine, zu ersetzen und dadurch die Fabrik zu revolutionieren, im Kontext der MAN-Entwicklungsabteilung und ihrer Ingenieure, die gewohnt waren, Schiffsmotoren zu bauen, zu einem ganz anderen Projekt, nämlich den Prototyp eines verbesserten Großmotors zu konstruieren (Knie 1991).

Gefragt wird nach den Konstellationen, unter denen bestimmte Projekte ausgesondert, andere erfolgreich durchgesetzt und verbreitet werden. Besondere Aufmerksamkeit erhalten dabei die 'Übersetzung' der Technikprojekte zwischen Wissenschaft, Politik und Wirtschaft und die 'Aushandlungsprozesse' zwischen den beteiligten Akteuren. Das wissenschaftliche Projekt, elektromagnetische Wellen experimentell nachzuweisen, wird zum Beispiel von Guilhelmo Marconi in das erfolgreiche Technikprojekt übersetzt, die Radiowellen zur drahtlosen Übermittlung von Nachrichten, speziell für die Küstenschiffahrt, zu verwenden (vgl. Aitken 1976). Auch die unterschiedlich erfolgreiche Durchsetzung von Diesel- und Wankelmotor läßt sich nicht mit der technischen Überlegenheit der Artefakte, sondern nur durch die geschickte Bündnispolitik von Rudolf Diesel und die unglückliche Verbindung von Felix Wankel mit einem schwachen Industriepartner erklären (vgl. Knie 1994).

Technikgenetische Studien liegen u.a. zur Entwicklung des Fahrrads, der Schreibmaschine, des Telefons, des Personal Computers, der Software-Technik, der Raketentechnik, der Magnetbahn, des Diesel- und des Wankelmotors, des Neonlichts, der Schallplatte, des Films, der Werkzeugmaschine, des Telekommunikations- und des Computernetzes, des Bildschirmtext- und des Expertensystems vor (vgl. die Überblicke in Rammert 1992, Dierkes/Hoffmann 1992, zu Computern, Netzwerken und Software Heintz 1993; Furger/Heintz 1997 und Hellige 1996 und die vergleichende Studie von Weyer 1997).

3.2 Entwicklung und Risiken großer technischer Systeme

Die Erforschung der Entwicklung und des Wachstums 'großer technischer Systeme' folgt weitgehend dem technikgenetischen Ansatz. Stärker betont werden hier die institutionellen Rahmenbedingungen, die wie strukturelle Filter oder Stabilisatoren auf die technische Entwicklung wirken, und die Vielfalt der Elemente, die in das System eingebunden sind. Der Aufbau dieser Systeme wird daraufhin untersucht, wie sachtechnische Entwicklung, Organisationsbildung, gesetzliche Rahmung und Finanzierungsmanagement sich zu einem institutionell und organisatorisch verselbständigten Netzwerk verflechten. Je nach Bezugsproblem - z.B. Gewährleistung von Mobilität, Versorgung mit Energie oder Verbreitung von Informationen - bilden sich um eine daran orientierte Technik große Organisationen oder Netze von Organisationen, die gemeinsam an der Herausbildung einer technischen Infrastruktur interessiert sind. Zu solchen "technischen Infrastruktursystemen"(Mayntz 1988, 234) zählen das Eisenbahn-, das Flugverkehrs-, das Telefonsystem, die Versorgungsnetze für Strom, Gas und Wasser, sowie die Entsorgungsnetze für Abwässer und Müll (vgl. Mayntz/Hughes 1988; Braun/Joerges 1994).

In der beispielgebenden Studie von Thomas P. Hughes "Networks of Power" (1983) wurde die Entwicklung der Elektrizitätsnetzwerke in Chicago, London und Berlin vergleichend untersucht. Nicht die einzelnen Techniken, wie Stromgeneratoren und Übertragungsleitungen, und - getrennt davon - die ökonomischen und politischen Kontexte wurden hier zum Gegenstand gemacht. Mit dem Konzept des großen technischen Systems werden so heterogene Elemente, wie Maschinen und Gesetze, Banken, Ingenieure und Politiker, unter dem funktionalen Gesichtspunkt des wechselseitigen Bezugs zusammengezogen. Geforscht wird nach typischen Phasenverläufen mit kritischen Schwellen. Besondere Engpaßprobleme bei der technischen Konstruktion erklären die strategische Bedeutung der Erfinder und Ingenieure in der Gründungsphase der Systementwicklung. In der Wachstums- und in der Expansionsphase machen sich in der Regel andere kritische Schwellen bemerkbar, wie die Nachfrage nach Investitionsgeldern oder die Unterstützung durch begünstigende Gesetzgebungen. Dadurch werden jeweils Systemmanager, Finanziers oder auch Politiker als Akteure in den Vordergrund gespielt.

Mit dieser engen wechselseitigen Verflechtung von Sachen, Akteuren, Gesetzen und Organisationen kann die typische Trägheit großer technischer Systeme gegenüber politischen Veränderungswünschen und technologischen Alternativen erklärt werden. Das "technologische Momentum", wie Hughes es nennt (1987), erwächst im einzelnen aus der sachlichen Fixierung der technischen Lösungen, der ökonomischen Bindekraft der investierten Gelder, der politischen Stabilität austarierter Interessensphären und der kulturellen Macht der gewohnten Praxis bei Technikern und Nutzern. Die geballte Macht und den ungebremsten Schwung einer Eigendynamik erlangt ein großtechnisches System jedoch erst aus der Verflochtenheit der heterogenen Elemente.

Aus der Kritik der natur- und ingenieurwissenschaftlichen Abschätzung technischer Risiken hat sich in jüngster Zeit eine sozialwissenschaftliche Risikoforschung (vgl. Bechmann 1992; Krohn/Krücken 1993) entwickelt. Ihre Gegenstände sind die Wahrnehmung und Kommunikation von Risiken, die Entscheidungsprozesse über Großtechnologien und die Unfallwahrscheinlichkeiten hochriskanter technischer Systeme. Auf der einen Seite relativiert sie objektivistische und ökonomische Risikorechnungen unter Bezug auf kulturelle Deutungen und soziale Rationalitätsstandards: Was als Risiko wahrgenommen wird und wie es bewertet wird, wird durch Institutionen gefiltert und hängt von kulturell geteilten Haltungen ab, wie das Arbeiten im Bergwerk oder das Wohnen neben einem Atommeiler, wie das Rauchen krebserzeugender Zigaretten oder das Essen einer genmanipulierten Tomate (vgl. Douglas/Wildavsky 1982); auf der anderen Seite deckt die risikobezogene Technikforschung Unfallwahrscheinlichkeiten in großen technischen Systemen auf, die ihnen aufgrund ihrer Komplexität und Interaktivität immanent sind (vgl. Perrow 1987).

Der Organisationssoziologe Charles Perrow hat in seiner beispielgebenden Studie über die unvermeidlichen Risiken der Großtechnik eine Vielzahl unterschiedlicher Systeme vergleichend untersucht. Die Fälle reichen vom Kernkraftwerk Three Mile Island über petrochemische Anlagen, den Flugverkehr, den Schiffsverkehr, Staudämme, Bergwerke, Raumflüge bis hin zu Kernwaffen und Genforschung. Er analysiert nicht die Techniken, die Organisationen oder die Bedienungsmannschaften allein, sondern in ihrem systemhaften Zusammenhang. Hochriskante Systeme identifiziert er anhand der Komplexität des Systems und der Weise ihrer Kopplung. Mit der Anzahl der Elemente eines Systems steigt wegen der zunehmenden Möglichkeit nicht vorhergesehener Wechselwirkungen zwischen ihnen generell die Wahrscheinlichkeit, daß irgendwo unverhofft Störungen auftreten. Sind jedoch die Elemente des Systems miteinander 'lose gekoppelt', wie bei Bergwerken oder Forschungs- und Entwicklungsabteilungen, können die Störungen eingedämmt oder in Pufferzonen aufgefangen werden, bevor sie sich zur Katastrophe ausweiten. Sind die Elemente jedoch 'eng verkoppelt', wie bei Atomkraftwerken oder bei Raumfahrtanlagen, sind Katastrophen systembedingt 'normal', da kleinste Störungen nie ausgeschlossen werden können und diese weder durch Pufferzonen noch Sicherheitstechnik eingegrenzt werden können. Es entsteht in diesen hochriskanten Systemen der paradoxe Effekt, daß mit zunehmender Sicherheitstechnik die Unsicherheit des Systems anwächst: Denn jede weitere sicherheitstechnische Vorrichtung erhöht wiederum die Komplexität und die Kopplungsdichte des gesamten Systems.

3.3 Techniksteuerung und Organisation der Innovation

Die 'Techniksteuerung' schält sich gegenwärtig als eigener Themenbereich heraus. Gegenüber den Lehren einer konventionellen Technologiepolitik, die sich auf Intrumente der Beeinflussung und auf die Evaluation der Wirkung konzentriert, bieten die technikgenetischen und institutionellen Analysen der sozialen Dynamik technischer Entwicklung besser begründetes Wissen für die Steuerung des technischen Wandels (Kubicek/Seeger 1993). Vor allem lösen sie sich von der nicht mehr haltbaren Vorstellung, daß der Staat als zentraler Akteur die technische Entwicklung maßgeblich steuern könne. Ebensowenig läßt sich eine andere Instanz, seien es die Konzerne oder die ´Logik des Kapitals´, seien es die Ingenieure und Wissenschaftler oder die sozialen Bewegungen, identifizieren, die allein dem technischen Wandel die Richtung und das Tempo vorschreiben könnten. Vielmehr sind die institutionellen Differenzierungen und die Vernetzungen der Akteure aus den verschiedenen Feldern für die betreffenden Techniken genauer zu analysieren, um die gleichsam vektoriellen Kräfte im jeweiligen Technologiefeld herauszufinden (Rammert 1993, Kap. 8; Weyer 1993). Hat man die Bedeutung des institutionellen Arrangements und der Innovationsnetzwerke erst erkannt (vgl. Kowol/Krohn 1995; Rammert 1997), dann lassen sich auch für die staatliche Technologiepolitik Schlußfolgerungen ziehen.

Eine erste Konsequenz betrifft zum Beispiel den Verzicht auf eine direkt eingreifende Technikförderung, wie sie bei der Atomtechnik (vgl. den Beitrag von Hug i.d.B.), der Raumfahrttechnik und der Informationstechnik, bisher üblich war. Das schließt auch einen Rückzug aus der Strategie ein, über die Einrichtung von Großforschungsinstituten auf die Entwicklung Einfluß zu gewinnen. Innovationsförderung und Technologiepolitik bedürfen eher indirekter Formen der Steuerung, sogenannter Kontextsteuerung. Aus der Technikgeneseforschung kann man lernen, daß in den frühen unsicheren Phasen der Technikentwicklung Visionen wichtig sind, welche die unterschiedlichen Erwartungen und Akteure unter einem gemeinsamen Banner zusammenführen. Mit dem Leitbild-Management lassen sich dann die Kräfte zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Feldern, wie Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, oder zwischen differierenden Kulturen innerhalb von Unternehmen auf ein 'Leitbild' hin bündeln (Dierkes/Hoffmann/Marz 1992).

Ein anderes Thema sind die Aushandlungsprozesse zwischen den verschiedenen Akteuren über die technischen Normen und Standards. Ihre Festsetzung ist für die weitere Entwicklung und wirtschaftliche Nutzung einer Technik von größter Bedeutung. Ob durch reguläre staatliche Gesetzgebung, durch verbandlich organisierte Regelwerke oder durch die heimlichen Standards des marktbeherrschenden Unternehmens, immer wird dadurch über Sicherheit, Datenschutz, Nutzerfreiheit und Marktchancen mitentschieden. Die staatliche Regulierung des Rahmens für die verbandliche Selbstregulierung der technischen NBormen scheint sich als angemessene Form der Techniksteuerung auf diesem Felde durchzusetzen (Voelzkow 1993).

Ein weiteres Thema ist das Management von Innovationen. Auf der Unternehmensebene sind Organisationsformen und Führungsstile zu finden, mit denen das grundsätzliche 'Innovationsdilemma' überwunden werden kann. Es geht - kurz gefaßt - darum, einerseits den technischen Innovationsprozeß an den ökonomischen Zielen des Betriebs zu orientieren, andrerseits das innovative Potential nicht durch bürokratische und finanzielle Kontrolle zu ersticken (Rammert 1988). Auf der zwischenbetrieblichen Ebene lösen sich die traditionellen Technologiemärkte, z. B. im Maschinenbau, zugunsten globaler operierender und stärker fluktuierender Hersteller-Anwender-Beziehungen auf (Deiß/Döhl 1992; Asdonk/Bredeweg/Kowol 1990).

Auf der überbetrieblichen Ebene bilden sich neue Innovationsmuster und Netzwerkformen für die Koordination von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in nationalen Innovationsystemen heraus (Hirsch-Kreinsen 1997; Voskamp/Wittke 1994). An die Stelle von Schumpeterschen Unternehmern, bürokratisierten Konzernen oder staatlicher Großforschung werden gegenwärtig 'Innovationsnetzwerke' zum relevanten Träger technischer Entwicklung und die 'Innovation im Netz' zur zentralen Institution eines 'post-schumpeterianischen Innovationsregimes' (Rammert 1997). Auf der nationalen und international vergleichenden Ebene wird also das institutionelle Design der nationalen Innovationssysteme als Ursache für Stärken und Schwächen bei der Erzeugung und Anwendung neuer Technologien thematisiert (Nelson 1993). Eine Technologiepolitik, die der verschärften Situation des globalen Wettbewerbs Rechnung tragen will, muß demnach in einer umfassenderen Innovationspolitik das institutionelle Arrangement zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik neu ordnen (vgl. zur Innovation Technik und Gesellschaft 1997).

Je mehr sich die sozialwissenschaftliche Technikforschung auf den bisher angesprochenen, vielen verschiedenen Feldern ausgebreitet hat, desto stärker steigt der Druck, die verteilten Konzepte und Ergebnisse zu sammeln, zu sichten und im Hinblick auf eine Theorie technischen Wandels zu sortieren.

4. Theoretische Ansätze in der Technikforschung

Die theoretische Vereinheitlichung der vielen Konzepte und Ergebnisse ist noch nicht weit vorangeschritten. Es lassen sich jedoch einige Konturen der theoretischen Debatte (vgl. Technik und Gesellschaft 1995) herausstellen, wenn man den Fronten der breiteren Theoriediskussion in den Sozialwissenschaften folgt. Was dort in der Spanne zwischen objektiver und kulturalistischer Gegenstandsauffassung, als Gegensatz von Mikro- und Makro-Ansätzen und als Kontroverse um 'Agency' und 'Structure' ausgetragen wird, das findet sich auch in der techniktheoretischen Diskussion wieder: In sachlicher Hinsicht geht es dort um die Natur des Gegenstands Technik zwischen materiellem Artefakt und symbolischen Konstrukt; in zeitlicher Hinsicht wird der technische Wandel in der Spanne von Konstruktion und Evolution thematisiert; in sozialer Hinsicht drehen sich die Kontroversen um das Verhältnis von Strukturlogik und Akteurstrategien bei der technischen Entwicklung.

4.1 Sachlicher Aspekt: Technikbegriff zwischen Materialität und Semantik

Sachtheoretische Ansätze betonen die physische Materialität des Gegenstandes Technik. Sie weisen darauf hin, daß gemachte Sachen der Kategorie Gerät, wie Werkzeug, Instrument, Apparat, Maschine und Automat, von spontanen Prozessen der Natur und von symbolisch vermittelten Prozessen der Gesellschaft wohl zu unterscheiden sind, aber an beiden ihren Anteil haben (Linde 1972). Solche Realtechniken können als materiell inkorporierte Normen oder Institutionen der Gesellschaft untersucht werden, die sich als 'Sachzwänge' auf das Handeln auswirken (siehe Kap. 1.2 Durkheim). Sie können selbst als sachliche Träger von objektivierten Handlungen, wie Wäschewaschen und Schleudern, angesehen werden. In Geräten sind Normen und Handlungen natural und gegenständlich repräsentiert. Sie üben auf das an die Geräte anschließende Handeln einen Druck aus, sich ähnlich zu normieren. Kompetent mit der Waschmaschine Wäsche zu waschen erfordert zum Beispiel ein Sortieren der Kleidungsstücke, ein Dosieren des Waschmittels und ein routinisiertes Abschätzen der Dauer des jeweiligen Waschvorgangs (Joerges 1989, 35; Braun 1993, 100).

Kulturalistische Ansätze betonen demgegenüber die semantische Dimension der Technik. Dabei haben die Vertreter dieses Ansatzes mehrere Dinge im Sinn: Eine Maschine, ein Telefon oder ein Computer können im Hinblick auf die Funktion, die sie erfüllen sollen, unterschiedlich gedeutet und dementsprechend verschieden konstruiert werden. Ob man das Telefon z. B. als Einweg- oder Zweiwegmedium auffaßt, es als Mittel für strategische Fernkommunikation oder öffentliche Nahkommunikation konzipiert, diese kulturellen Deutungen haben Einfluß auf die Gestaltung des Telefongeräts wie auf die Anlage des Telefonnetzes (Rammert 1993, Kap. 12).

Unterschiedliche Deutungen oder semantische Rahmungen einer Technik bestimmen auch, auf welche Weise sie angeeignet wird, mit welchem Tempo sie sich verbreitet und welche Stile des Umgangs mit ihr entstehen. Klassenspezifische Kommunikationskulturen erklären zum großen Teil die langsame Ausbreitung des Telefons in Großbritannien im Vergleich zur U.S.A. Daß das Telefon in den U.S.A. um ein Vielfaches schneller als in Großbritannien diffundierte, kann nicht damit erklärt werden, daß die damals führende Industrienation Großbritannien nicht über genügend technologisches Know-How oder Überschußkapital verfügte; vielmehr zeigen sich bei näherer Untersuchung ein klassenbetontes Geschäftsgebaren und förmlich-distinguierte Verkehrsformen im Alltag im Unterschied zu pragmatischer Geschäftskultur und einem informellen Stil zwischenmenschlicher Kontakte in Amerika als Hindernis für die Akzeptanz und Verbreitung des Telefons (Rammert 1993, Kap.13).

Geschlechtsspezifische Deutungen des Kleincomputers führen bei Heranwachsenden zu unterschiedlichen Programmierstilen: Neigen viele Mädchen zu einem sogenannten 'sanften' Programmierstil, der eher auf eine praktische Nutzung des Computers zielte, finden sich unter den Jungen eine Mehrzahl 'harter' Programmierer, die das System unter Risiken bis an die Grenzen erproben, um es unter ihre Kontrolle zu bringen (Turkle 1984). Milieuspezifische semantische Rahmungen prägen auch die verschiedenen Verwendungsweisen des PC als Qualifikations- oder Grafikmaschine, als Hobbykiste oder intellektuelles Selbsterfahrungsmedium, und verursachen dementsprechend auch unterschiedliche Folgen des PC im Alltagsleben der Nutzer (vgl. Rammert/Böhm/Olscha/Wehner 1991).

Techniken haben symbolische Funktionen nicht nur in Verwendungszusammenhängen (Hörning 1985), die es neben ihrer Standardfunktion zu entschlüsseln gilt. Sie wachsen sich manchmal, wie bei der mechanischen Uhr, der Dampfmaschine oder dem Computer, zu Metaphern und Modellen aus, in denen sich die Denk- und Handlungsweisen einer Epoche wie unter einem Brennglas bündeln (Bolter 1984).

Techniken sind also gleichzeitig physikalische und symbolische Gegenstände. Aber auch die 'rein technische' Funktion und die ingenieurmäßige Konstruktion eines technischen Artefakts sind auf die symbolische Vermittlung angewiesen (Schlese 1995): 'Leitsemantiken' in der Form von Visionen und Konzepten prägen Funktionssicht und Konstruktionsweise von Maschinen und technischen Netzen; Leitbilder, Professions- und Organisationskulturen verdichten sich zu Konstruktionsstilen; und technologische Paradigmen zeichnen Bahnen der Gestaltung vor und schlagen sich in der Bevorzugung bestimmter technischer Parameter und in der Beurteilung technischer Effektivität und Effizienz nieder.

In der Zukunft wird es darum gehen zu klären, wie Materialität und Semantik der Technik aufeinander bezogen werden. Es ist noch offen, ob hier eher der "Akteur-Netzwerk"-Ansatz von Bruno Latour und Michel Callon, der von einer symmetrischen Assoziation von Sachen und menschlichen Akteuren ausgeht (Latour 1997; Callon 1992), oder die soziologische Systemtheorie, die Technik als Medium der Kommunikation und als Installation auffaßt (Halfmann 1996), den gordischen Knoten lösen wird (vgl. Wagner 1997).

4.2 Zeitlicher Aspekt: Technischer Wandel zwischen Konstruktion und Evolution

Sozialkonstruktivistische Ansätze konzentrieren sich auf die frühen Situationen der Forschung in Labors und der Entwicklung von technischen Artefakten. Sie parallelisieren den sozialen Erzeugungsprozeß wissenschaftlicher Tatsachen (siehe hierzu ausführlich den Beitrag von Heintz i.d.B.) mit dem sozialen Konstruktionsprozeß technischer Sachen (Pinch/Bijker 1987). Gegen ein Verständnis von Technik als Resultat objektiven Problemlösens setzen sie das Prinzip der 'interpretativen Flexibilität': Was als technisches Problem angesehen und was als technische Lösung akzeptiert wird, das hängt von sozialen Definitions- und Aushandlungsprozessen ab.

Gegen die Vorstellung, es gäbe jeweils 'einen besten Weg', wendet sich das Prinzip der konstruktiven Variabilität: Es existieren in der Regel verschiedene, grundsätzlich gangbare, technische Entwürfe nebeneinander, z. B. eine Werkzeugmaschine mit Bandaufzeichnung oder mit numerischer Kontrolle (NC), ein hochautomatisiertes, zentral gesteuertes computerintegriertes Maschinensystem oder ein flexibleres System mit Möglichkeiten zur Werkstattprogrammierung (vgl. Noble 1984). Welcher Entwurf sich später erfolgreich durchsetzen wird, hängt nicht von den technologischen Parametern ab, sondern von den Konflikten und Koalitionen zwischen den beteiligten Akteuren um die Auswahl und Auslegung derjenigen technischen Merkmale, die als relevant gelten. Mit der 'sozialen Schließung' dieser technischen Kontroversen endet die Offenheit der Entwicklung und die Flexibilität der Interpretation: Das neue technische Wissen geht "gehärtet" in den "Stand der Technik" ein (Knie 1991).

Sozialevolutionäre Ansätze ersetzen den Durchblick aus der Nähe durch den Draufblick aus der Distanz. Ihre Vertreter beachten nicht so sehr die Besonderheit einer einzelnen Technikkonstruktion, sondern sehen vor allem die Vielfalt und zeitliche Verkettung in der gesamten technischen Entwicklung. Sie betonen den komplexen, kumulativen und rekombinativen Charakter technischer Neuerungen (Gilfillan 1935). Sie verweisen auf die Linien der Kontinuität, die nicht durch sachliche Notwendigkeit, sondern durch soziale Selektion gebahnt werden. Die technische Entwicklung läuft nicht auf ein Ziel hinaus, sie unterliegt nicht einer kausalen linearen Determination, aber sie wandelt sich auch nicht willkürlich. Solche Prozesse lassen sich angemessen mit den evolutionären Mechanismen der Variation, Selektion und Stabilisierung beschreiben.

In der innovationsökonomischen Variante (Nelson/Winter 1982) geht man von der begrenzten Erklärungskraft der neoklassischen Ökonomie für die Technikwahl und die Organisation von Forschungs- und Entwicklungsprozessen aus. Die Bedingungen der rationalen Technikwahl und der vollkommenen Informiertheit über Alternativen sind bei den vielfältigen Unsicherheiten nicht gegeben. Der komplexe Prozeß läßt sich eher als Evolution beschreiben. Da technische Artefakte selbst nicht evoluieren können, wählt man den erzeugenden Umgang mit ihnen in Unternehmen als Untersuchungseinheit, nämlich die Routinen der Entscheidung statt der Rationalität der Technikwahl. Diese Heuristiken unternehmerischen Innovationshandelns bilden die Varianten, aus denen jeweils Markt, Staat oder dominante Kultur als Umwelt die jeweils am besten angepaßten herausfiltern. Sie können sich zu "technologischen Paradigmen", wie dem der mechanisierten Massenproduktion oder der Informationsverarbeitung, verdichten und sich zeitweise zu vorherrschenden Entwicklungsbahnen ("trajectories") stabilisieren (Dosi 1982). Solche unterschiedlichen Entwicklungspfade konnten zum Beispiel für die Informatisierung im Maschinenbau in den U.S.A., Frankreich und Deutschland herausgefunden werden (Lutz/Veltz 1989). Daß die NC-(numerische Steuerung von Maschinen mittels Lochbänder) und die CNC-(Computersteuerung mittels digitaler Programme) Technologie im amerikanischen und deutschen Maschinenbau unterschiedliche Technisierungspfade eingeschlagen hat, läßt sich aus den besonderen selektiven sozioökonomischen Rahmenbedingungen und speziellen Entwicklerkonstellationen erklären: In den U.S.A. dominieren High-Tech-Bereiche der Rüstungs- und Luftfahrtindustrie, die kaum dem Innovationsdruck der Weltmärkte unterliegen. Dort haben sich Großunternehmen des Maschinenbaus entwickelt und dort herrscht Knappheit an qualifizierten Arbeitskräften, wodurch Tendenzen zur Vollautomatisierung gefördert werden. In Deutschland hingegen fand die Entwicklung im Rahmen einer vielfältigen Investionsgüterindustrie statt. Sie steht unter starkem externen Innovationsdruck und hohen Flexibilitätsanforderungen. Sie kann jedoch auf reichlich vorhandene qualifizierte Arbeitskräfte zurückgreifen (Hirsch-Kreinsen 1993).

Technikgenetische Ansätze übernehmen für den Mikrobereich die konstruktivistische Fallanalyse und verbinden sie für den Makrobereich mit der sozialen Evolutionstheorie. Auf diese Weise gleichen sie die jeweiligen Grenzen und Schwächen der beiden Ansätze aus. Denn der konstruktivistische Ansatz tut sich schwer, längerfristige Entwicklungen und über die Situation hinausreichende institutionelle Bedingungen zu berücksichtigen, daß z.B. der Schließungsprozeß sich wieder öffnet, daß die Konflikte durch gesellschaftliche Macht- und Interessenunterschiede begründet sein können und daß etablierte industrielle Strukturen bestimmte Techniken begünstigen (zur Kritik Hard 1993; Rosen 1993). Der sozialevolutionäre Ansatz erweist sich demgegenüber als blind für die situativen Bedingungen der Erzeugung und Gestaltung von Techniken. Außerdem blendet er die kreative und mitwirkende Rolle der Akteure aus

Die sich aus der Praxis der Akteure ergebenden Regeln des erzeugenden und verwendenden Umgangs mit Techniken bilden die Untersuchungseinheit im technikgenetischen Ansatz. Sie entstehen - wie wir oben schon dargelegt haben (siehe Kap. 3.1) - in 'Visionen' der Nutzung und mit 'Konzepten' der Konstruktion einer Technik. Sie werden in rivalisierenden 'Projekten der Technisierung' ausbuchstabiert und sozial organisiert. Sie verkörpern sich im 'Habitus' von Ingenieuren, im definierten 'Stand technischen Wissens' und in Typen und Generationen von Maschinen. Schließlich werden sie in unterschiedlichen Deutungen und Stilen der alltäglichen Nutzung respezifiziert (Rammert 1995; Technik und Gesellschaft 1994).

4.3 Sozialer Aspekt: Technischer Wandel zwischen Strukturlogik und Akteurstrategien

Strukturlogische Ansätze führen Gestalt und Geschichte der Technik gern auf das Wirken einer 'Logik' oder 'Tiefenstruktur' zurück. Akteurstrategische Ansätze betonen demgegenüber die Macher und die Gemachtheit der jeweiligen Techniken. Die Geschlossenheit der technischen, ökonomischen oder politischen Logiken technischer Entwicklung wird aufgelöst in sich kreuzende Strategien und miteinander konkurrierende Projekte sozialer Akteure, z. B. bei der Entwicklung der NC-Werkzeugmaschine in das Projekt der Großunternehmen, Rüstungsaufträge zu erhalten und sich vom Qualifikations- und betrieblichen Machtpotential der Facharbeiter freizumachen, dem Projekt des Verteidungsministeriums, sich langfristig eine Infrastruktur für die Präzisionsfertigung von Rüstungsteilen zu schaffen und dem Projekt der Mathematiker und Ingenieure, sich ein aufwendiges und herausforderndes Forschungsprogramm vom Staat finanzieren zu lassen (vgl. Noble 1984).

Für das Tempo und die Richtung technischer Entwicklung ist von entscheidender Bedeutung, wieviel Macht die einzelnen Akteure bei der Problem- und Zieldefinition mobilisieren können, wie stark sie durch andere Akteure beeinflußt werden und mit welchen Strategien sie innerhalb der institutionalisierten Spielregeln vorgehen oder diese unterlaufen (vgl. u.a. Mayntz/Schneider 1995; Werle 1995). In den Blick geraten die verschiedenen sozialen Orte, wie Forschungsinstitute, Industrielabors, Normungsgremien und TA-Behörden, in denen Technik erzeugt und geprägt wird. Als Akteure werden neben den Wirtschaftsunternehmen und Ingenieuren auch Forschergruppen, politische Instanzen, Verbände, Gewerkschaften und neue soziale Bewegungen in den Theorierahmen einbezogen (vgl. die Beiträge in "Technik und Gesellschaft" 1983 und 1994).

Wer sich von der politischen Soziologie inspirieren ließ, importierte das Konzept der politischen Arenen, um die Akteurkonstellationen im Konflikt um eine Technik zu beschreiben (Kitschelt 1980; Rammert/Böhm/Olscha/Wehner 1991). Da der Prozeß der Technikentwicklung als mehrstufiger Selektionsprozeß angesehen werden kann (vgl. Mayntz 1991), ergeben sich immer wieder unterschiedliche Akteurkonstellationen. Am Aufbau des Telefonsystems in Deutschland waren im Verlauf der Geschichte die unterschiedlichsten Akteure - vom Postminister bis zum Gerätehersteller und Diensteanbieter, vom Fernmeldetechnischen Zentralamt bis zum zuständigen Parlamentsausschuß - mit ihren jeweiligen Systementwürfen nebeneinander und nacheinander beteiligt. Nicht aus einer einheitlichen Struktur- oder Verlaufslogik, sondern aus dem heterogenen Gemengelage von Entwicklungsphasen, vorherrschenden Problemsituationen und wechselnden Akteurkonstellationen kann daher seine Entwicklungsdynamik erklärt werden (vgl. Werle 1990). Allerdings muß auch gesehen werden, daß die spätere Entwicklung des Telefonsystems schon weitgehend in seiner Entstehungsphase geprägt war, als der Staat noch maßgeblich die anderen Akteure dominierte und die Entscheidungssituation definierte (vgl. Thomas 1989, 60).

In einer anderen Variante wird davon ausgegangen, daß das technische Handeln aus der traditionellen Praxis der Handwerke, Zünfte und Künste ausgegliedert worden ist und dadurch eine gewisse Autonomie von religiösen oder moralischen Fesseln erlangt hat. Mit dieser institutionellen Ausdifferenzierung kann die entfesselte Dynamik moderner technischer Innovation erklärt werden. Allerdings wurde das technisch-innovatorische Handeln in andere gesellschaftliche Institutionen, vor allem Wissenschaft und Wirtschaft, wieder eingebettet. (Krohn/Rammert 1985). Die technologische Rationalität, die Wirkung von Mitteln zu einem vorgegebenen Zweck zu steigern, ist eng mit den Orientierungen in der Wissenschaft, die gesicherten Erkenntnisse zu mehren, und in der Wirtschaft, den Gewinn zu maximieren, verknüpft. Für eine erfolgreiche technische Entwicklung ist es daher erforderlich, daß sie sich auf die verschiedenen Rationalitätsstandards, die auf den jeweiligen institutionellen Feldern herrschen, lernend einläßt, zum Beispiel daß sie die Optionen technischer Machbarkeit durch Rückbezug auf die wissenschaftliche Forschung immer wieder erweitert und durch Rückkopplung mit den Technikanwendern sich die praktikablen Wege der weiteren Technikentwicklung vorzeichnen läßt (Asdonk/Bredeweg/Kowol 1994; Kowol/Krohn 1995). Der konkrete Verlauf technischer Entwicklung wird neben den in den Institutionen herrschenden Rationalitätsstandards vor allem durch die institutionellen Formen der Vermittlung zwischen ihnen bestimmt.

Technikentwicklung ist kein linear fortschreitender Prozeß von der Wissenschaft über die Technik bis hin zur wirtschaftlichen Anwendung und politisch-rechtlichen Normierung. Am Beispiel des Werkzeugmaschinenbaus kann z. B. gezeigt werden, daß technische Innovationen in allen Phasen erzeugt werden und eher als "rekursiver Prozeß" anzusehen ist. Selbst die Anwendung wirkt als "experimentelle Technikimplementation" auf den weiteren Neuerungsprozeß zurück (vgl. Asdonk/Bredeweg/Kowol 1991; Krohn 1997).

Technologiemärkte für Maschinen lassen sich in Hersteller- Anwender-Beziehungen auflösen. In ihnen dominieren entweder, wie in der Automobilindustrie, große Anwenderunternehmen, die den vereinzelten Spezialmaschinenherstellern Richtung und Tempo der Innovation vorschreiben; oder es kommt z. B. auf Hochtechnologiemärkten zu einer Umkehrung, so daß führende Computer- und Softwarefirmen den Anwendern, in diesem Fall den Maschinenbaufirmen, ihren Innovationsrhythmus aufzwingen. Diese Veränderungen der Hersteller-Anwender-Konstellationen (vgl. Deiß/Hirsch-Kreinsen 1993) zwingen die Unternehmen zu neuen Formen der strategischen Kooperation und der Netzwerkbildung.

5. Plädoyer für eine sozialwissenschaftliche Technikforschung jenseits der Mythen

Eine sozialwissenschaftliche Technikforschung kann erst dann methodisch und theoretisch gesichertes Orientierungs-, Steuerungs- und Reflexionswissen bereitstellen, wenn sich unter den Technikforschern ein eigener kognitiver Kern im Hinblick auf die soziale Dynamik technischen Wandels herausgebildet hat und wenn sich die Beiträge auf diesen Stand der Forschung konstruktiv oder kritisch beziehen.

Dazu sind erst einmal die Mythen der Technikentwicklung abzubauen und in Modelle der Technikgenese zu überführen. Der erste Mythos wird mit der Rede von den "großen technischen Revolutionen" immer wieder neu evoziert und gefestigt. Ganz gleich, ob von der mikroelektronischen oder gentechnischen Revolution und ihren Folgen gesprochen wird, jedesmal wird die Vorstellung von der Macht der Technik über uns wachgerufen. Technikforschung vermag diesen Eindruck von der Übermacht der Technik und der Ohnmacht der Menschen kritisch aufzulösen. Was in diesen Vorstellungen zeitlich gerafft und als Druck und Drang einer technischen Tendenz dramatisiert wird, das löst sie, wie wir gesehen haben, in vielgliedrige Ketten kleiner technischer Projekte auf. So kann sie nach den Bedingungen fragen, unter denen sie sich zu eisernen Fesseln verknoten und als große technische Systeme Momentum gegenüber Veränderungswünschen gewinnen.

Was in diesen Vorstellungen sachlich an vielfältigen Veränderungen und Wechselwirkungen zusammengezogen wird, das wird in der Technikforschung entflochten in verschiedene Stränge der Erzeugung und Durchsetzung neuer Techniken. Dabei waltet keine sachliche Notwendigkeit, sondern technische Tatsachen - so konnte aufgezeigt werden - sind das Ergebnis sozialer Konstruktion und konflikthafter Aushandlung unter den institutionalisierten Bedingungen des Innovationssystems.

Was in diesen Vorstellungen sachlich in eine technische, ökonomische oder politische Logik des technischen Fortschritts verfälscht wird, das wird in der Technikforschung auf die datensetzende Macht der sozialen Akteure selbst zurückgeführt. Was in verdinglichter Sicht als Macht der Technik oder einer hinter ihr stehenden Strukturlogik erscheint, das wird in das strukturierende Handeln durch konkrete Technikprojekte und in die institutionalisierten Machtkonstellationen zwischen den Akteuren aufgelöst. Der Mythos einer schicksalhaften technischen Entwicklung außer Reichweite der Akteure wird durch die Erinnerung an die gesellschaftliche Gemachtheit und Verfaßtheit technischen Wandels zurückgedrängt.

Aber auch ein zweiter Mythos erfreut sich großer Beliebtheit: Der Mythos von den "großen Männern", die Technikgeschichte machen, wird immer wieder gern von der Erfindergeschichte, den Museen und den Medien belebt. Demgegenüber verweist die Technikforschung auf den sozialen Sachverhalt der Parallelerfindung und auf die Tatsache, daß es in der Regel eine Vielzahl von Erfindern auf einem technischen Feld gibt und daß die Leistung kollektiv und mit unterstützender Infrastruktur erzielt wurde. Gegenüber der häufig unterstellten Auffassung, daß die Techniker und Ingenieure die genialen Finder und heroischen Vollstrecker einer präformierten objektiven Logik des technischen Fortschritts seien, kehren in der Technikforschung die Akteure der technischen Entwicklung als Macher und Moderatoren eines gesellschaftlichen Technisierungsprozesses zurück.

Die Technikforschung hat uns gezeigt, daß wir sogenannten technischen Fortschritten nicht ohnmächtig ausgeliefert sind. Sie geschehen schrittweise, sie beginnen offen, und sie sind den Einflüssen vieler sozialer Akteure und verschiedener institutioneller Filter ausgesetzt. Sie nimmt uns aber auch die Illusion, erwünschte Techniken wären makellos und gezielt machbar, wenn die Akteure sich nur genügend bemühten und über ausreichend Macht verfügten. Keine noch so große Umsicht und weite Voraussicht vermag einer neuen Technik das prinzipielle Risiko unbeabsichtigter Wirkungen zu nehmen. Keine noch so umfassende Macht vermag eine Technik nach ihrem Bilde zu formen und gegenüber anderen Akteuren unverändert durchzusetzen. Es gibt zwar große Machtunterschiede zwischen den an der Technikentwicklung beteiligten Akteuren, aber es gibt keine zentrale Instanz, welche die gesamte Entwicklung steuerte.

Das Fehlen eines kontrollierenden Zentrum bedeutet jedoch nicht, daß die technische Entwicklung "außer Kontrolle" (vgl. Winner 1982) geraten ist. Die Technikforschung zeigt uns, daß nun verschiedene Kontexte der Steuerung und strategische Orte der Beeinflussung zu unterscheiden sind, die zusammenwirken. Für jeden Kontext gibt es jeweils wirksame Steuerungsmedien, zum Beispiel Publikation und wechselseitige Bewertung im wissenschaftlichen Kontext, die Beschäftigung technisch qualifizierten Personals, den Kauf von Patenten und Produkten im wirtschaftlichen Kontext oder das Finanzieren von Leitprojekten und das Festlegen von Normen und Standards im politischen Kontext. Unsicher bleiben jedoch die Übergänge von einem in den anderen Kontext, vom Labor in die Entwicklung, von der Produktion in den Verkauf, von der individuellen Nutzung zum massenhaften Gebrauch im Alltag.

Eine Technikforschung jenseits der Mythen von großen Revolutionen und großen Männern läßt sich auf die folgende Formel bringen: Technik wird zwar von Menschen, meistens Männern, gemacht; aber sie gewinnt, sobald sie als Maschine oder Medium in der Gesellschaft institutionalisiert ist, Macht über die Menschen und Momentum gegenüber gezieltem Wandel.

Wer Techniktrends vorhersagen und Technikfolgen abschätzen will, könnte von der Technikforschung lernen, wie Techniken gesellschaftlich produziert werden. Wer die gegenwärtigen Technologie fundamental kritisiert oder nach Alternativen fahndet, der könnte von der Technikforschung den geschärften Blick für die soziale Schließung technischer Kontroversen und für die Verzweigungen der Entwicklungspfade übernehmen. Und wer die technische Entwicklung wirksam steuern und die Innovation rascher managen möchte, der kann sich guten Rat bei der Technikforschung holen, nämlich die institutionelle Differenziertheit des Innovationssystems zu beachten und die Vernetzung der unterschiedlichen Akteure zu betreiben.


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