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TU Berlin

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TraWissDDR: Folgen von Inklusionsbeschränkungen für Naturwissenschaftler*innen der DDR

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Lupe

(BMBF-Projekt, geförderte Laufzeit: 01.12.2018-30.11.2022) Projektteam: Dr. Grit Laudel, Caroline Bauer

Zusammenfassung

Die naturwissenschaftliche Forschung in der DDR  war aufgrund politischer und ökonomischer Restriktionen nur partiell in die Wissensproduktion internationaler Fachgemeinschaften eingebunden. Diese Inklusionsbeschränkungen lassen sich auf die Dynamik der internationalen Beziehungen und der Innenpolitik der DDR von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die spätsozialistische Phase zurückführen. In den internationalen Beziehungen waren es insbesondere die Spannungsverhältnisse zwischen der Sowjetunion und den USA sowie zwischen der BRD und der DDR, die die Möglichkeiten internationaler Kooperation und Kommunikation beeinflussten. Innenpolitisch trugen durch Partei und Staat auferlegte Kontaktverbote, zunehmende Loyalitätserwartungen und Einschränkungen der materiellen Ausstattung zu Bedingungen bei, die die Partizipation der Wissenschaftler*innen an der Wissensproduktion ihrer Fachgemeinschaften limitierten. Viele Wissenschaftler*innen waren passiv (durch die Rezeption des Forschungsstandes), aber nicht aktiv (durch publizierte Beiträge zum Wissen) in ihre Fachgemeinschaften integriert.

Während der politischen und gesellschaftlichen Transformationsphase zwischen 1989 und den späten 90er Jahren kam es auch zu einer grundlegenden Umstrukturierung der ostdeutschen Wissenschaftslandschaft nach Vorbild der BRD. Damit entstanden für die Naturwissenschaftler*innen, die die Möglichkeit erhielten, ihre Karriere fortzusetzen, Bedingungen für eine vollständige Inklusion.

Wir möchten mit unserer Untersuchung die Frage beantworten, wie die Forschungsbedingungen der Naturwissenschaftler*innen im Spätsozialismus ihre Forschungsinhalte und ihre Inklusion in internationale Fachgemeinschaften vor und nach 1989 beeinflusst haben.

Um die Inklusionsbiographien der Naturwissenschaftler*innen der DDR zu erklären, führen wir in ausgewählten naturwissenschaftlichen Fachgebieten Archivstudien durch, rekonstruieren Forschungsbiographien mit bibliometrischen Methoden und führen Oral history-- Interviews mit aus der DDR übernommenen Wissenschaftler*innen.

In der (wissenschafts-)historischen Perspektive des Projekts werden wir die Einbettung von Praktiken der Wissensproduktion in die späte DDR-Gesellschaft rekonstruieren und damit einen Beitrag zum Verständnis dieser Gesellschaft jenseits totalitaristischer Ansätze leisten. Darüber hinaus werden wir mit dem Projekt Grundlagen für die vergleichende historische und soziologische Einordnung der Inklusionsbedingungen und Karrieren von Naturwissenschaftler*innen der DDR schaffen. Diese vergleichende Perspektive auf die Inklusion von Wissenschaftler*innen in ihre internationalen Fachgemeinschaften ist der wissenschaftssoziologische Beitrag des Projekts. Es gibt bis heute in allen nationalen Wissenschaftssystemen zumindest für einige Wissenschaftler*innen materiell bedingte Inklusionsbeschränkungen. In einigen Wissenschaftssystemen ist die Inklusion vieler Wissenschaftler*innen Fachgemeinschaften durch materielle oder politische Bedingungen beschränkt. Die Einordnung der für die Naturwissenschaftler*innen der DDR bestehenden Inklusionsbeschränkungen sowie von deren unmittelbaren und langfristigen Effekten in eine Theorie der Inklusion von Forscher*innen in die internationale Wissensproduktion, die wir mit unserem Projekt entwickeln wollen, wird unser Verständnis der Funktionsweise wissenschaftlicher Gemeinschaften vertiefen.

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